(bg). Nach Jahrzehnten ist ein Gederner wieder Bürgermeister in Gedern. SPD-Kandidat Klaus Bechtold setzte sich bei der Wahl am Sonntag deutlich gegen seinen CDU-Kontrahenten Alexander Kartmann durch. 66 Prozent der Wähler gaben dem 63-jährigen Weningser ihre Stimme, auf den 35-jährigen Butzbacher entfielen lediglich 34 Prozent der Stimmen. Als das Ergebnis um 18.48 Uhr feststand, herrschte Volksfeststimmung im Wappensaal. Rhythmisches Klatschen und euphorische „Hey, hey, hey“-Rufe brandeten auf. Noch-Bürgermeister Stefan Betz reckte lachend beide Daumen in die Luft.
Bereits um 18.11 Uhr gab das erste Ergebnis aus Nieder-Seemen die Dramaturgie des Abends vor. Dort hatte Bechtold mit 55,7 Prozent der Stimmen die Nase vorne. „Vor dem Ergebnis aus Nieder-Seemen hatte ich die größte Angst, weil das ist eigentlich schwarz“, bekannte der Sozialdemokrat. Als um 18.17 Uhr das Ergebnis des nächsten Wahlbezirks hinzukam, kam Beifall auf: Bechtold hatte in der Addition seinen Vorsprung ausgebaut, lag bei 59,7 Prozent.
Der Applaus steigerte sich noch, nachdem das Ergebnis des dritten Wahlbezirks dazukam: Bechtold lag um 18.21 Uhr mit 63,6 Prozent vorne. Als sich der Trend drei Minuten später dank des Ergebnisses des vierten Wahlbezirkes manifestierte - Bechtold: 63,5 Prozent, Kartmann: 36,5 Prozent -, raunte SPD-Fraktionschef Oliver Hampel seinem Parteifreund zu: „Es ist gelaufen!“
In der Tat: Zwar sorgte der fünfte Wahlbezirk um 18.30 dafür, dass Bechtold um 2,5 Prozent abrutschte, der Sieg geriet jedoch nicht mehr in Gefahr. Nach sechs von acht Wahlbezirken ballte Bechtold um 18.32 Uhr zum ersten Mal die Faust und wischte sich anschließend den Schweiß von der Stirn - da lag er mit 61,8 Prozent der Stimmen vorne. Um 18.38 Uhr kam das vorletzte Ergebnis rein: Während die zahlreichen Zaungäste zum ersten Mal rhythmisch klatschten, hielt Bechtold seine Frau Gerlinde fest im Arm, die ihren Kopf auf seine Schulter gelegt hatte. Und dann brachen um 18.48 Uhr mit dem Ergebnis des achten und letzten Wahlbezirks alle Dämme.
„Mit einem solch deutlichen Ergebnis habe ich nicht gerechnet“, bekannte Wahlsieger Bechtold anschließend. Er habe sich insgeheim gewünscht, mit fünf Prozent Vorsprung zu gewinnen. „Die Bürger kennen mich, sie können mich einschätzen. Ich habe versucht, rüberzubringen, dass ich bodenständig und ehrlich bin, dass ich keine Parteipolitik, sondern Sachpolitik mache“, erklärte er.
Der unterlegene Alexander Kartmann gratulierte dem neuen Bürgermeister und analysierte, dass es CDU und FWG scheinbar nicht gelungen sei, ihre Wähler ausreichend zu mobilisieren. „Das entscheidende Thema aber war, dass die Gederner in der Vergangenheit nicht zufrieden waren mit den Bürgermeistern, die von auswärts kamen, und dass sie dieses Mal einen Einheimischen wollten“, betonte der Christdemokrat.
CDU-Vorsitzender Edgar Gowin zeigte sich enttäuscht über das Wahlergebnis. „Es ist uns nicht gelungen, im Wahlkampf die Grundstimmung zu drehen, dass wieder ein Einheimischer gewählt werden müsse“, erklärte er. Das sei umso enttäuschender, als dass Alexander Kartmann als „klarer Sieger“ aus der Podiumsdiskussion hervorgegangen sei.
Erster Stadtrat Herbert Weber (FWG), dessen Partei den CDU-Kandidaten unterstützt hatte, betonte, dass beide Lager Kartmann wohl nicht gut genug bekannt gemacht hätten. Vor allem die Öffentlichkeitsarbeit sei zu schwach gewesen. „Man hat in den vergangenen 14 Tagen gemerkt, dass wir die Wahl verlieren werden“, konstatierte Weber.
Freude dagegen bei der SPD, dass sich Bechtold gegen den Kandidaten der beiden stärksten Parteien im Stadtparlament durchgesetzt hatte. „Wir haben gespürt, dass wir eine Chance haben“, sagte SPD-Vorsitzender Michael Siebert. „Wir hatten eine tolle Resonanz auf den Wahlkampf und haben gute Gespräche geführt.“ Die SPD habe einen stringenten Wahlkampf hinter sich, ergänzte Fraktionschef Oliver Hampel, und dabei die Stärken Bechtolds herausgestellt. „Ein Gederner für Gedern - das war dann das ausschlaggebende Kriterium.“ Wichtig sei auch gewesen, dass sich die SPD frühzeitig auf Bechtold als Kandidaten festgelegt habe. „Das hat uns vielleicht eine Koalitionsbeteiligung gekostet, aber letztlich den Bürgermeister gebracht.“











